Sternenkind

Sternenkinder: Trauer, Beerdigung und Hilfe

Was ist ein Sternenkind? Welche Hilfe gibt es für Eltern von Sternenkindern?

Es ist egal, zu welchem Zeitpunkt man einen Menschen verliert, es ist immer zu früh und es tut immer weh.

Das eigene Kind zu verlieren ist das Schlimmste, das einem als Mutter oder Vater passieren kann. Insbesondere wenn das Leben des eigenen Kindes bereits endet, bevor es erst begonnen hat, hinterlässt dies bei den Eltern tiefe emotionale Narben. Sternenkinder sind Kinder, die bereits vor oder kurz nach der Geburt sterben.

Welche Regelungen es für Sternenkinder in Deutschland gibt, haben wir für Sie zusammengefasst: Was ist ein Sternenkind? Wie ist die rechtliche Situation bei Sternenkindern? Was gilt bei einer Beerdigung von Sternenkindern? Angehörige und Freunde können sich informieren, wie sie den Eltern eines Sternenkindes helfen können. Erfahren Sie hier mehr.

Was sind Sternenkinder und was bedeutet "Sternenkind"?

Was sind Sternenkinder? Babys, die bei der Geburt unter 500 Gramm wiegen, wurden ursprünglich als Todgeburten oder Fehlgeburten bezeichnet. Da diese Bezeichnungen der tiefen Bindung, die viele Mütter und Väter bereits zu dem ungeborenen Kind haben, nicht gerecht wird und den Prozess des Sterbens des Babys in den Vordergrund stellt, hat sich der Begriff „Sternenkind“ etabliert.

„Sternenkind“ vermittelt das Bild, dass das Kind den Himmel erreicht hat, noch bevor es das Licht der Welt erblicken durfte. Manchmal werden diese Kinder auch als Schmetterlings- oder Engelskind bezeichnet. Heutzutage werden nicht nur Tod- und Fehlgeburten als Sternenkinder bezeichnet, sondern auch Kinder, die bereits kurz nach der Geburt versterben.

Wie viele Sternenkinder gibt es jährlich in Deutschland?

Sternenkinder, die nach der 24. Schwangerschaftswoche still geboren werden oder bei der Geburt über 500 Gramm wiegen, werden in den Statistiken als Todgeborene aufgeführt. Im Jahr 2021 wurden nach Angaben des Bundesamtes für Statistik 3.420 Sternenkinder geboren.

Statistisch nicht erfasst werden Sternenkinder, die vor der 24. Schwangerschaftswoche still geboren werden oder bei der Geburt unter 500 Gramm wiegen.

Rechtliche Situation bei einem Sternenkind

Lange Zeit hat bei einem Sternenkind das Gewicht darüber entschieden, ob dieses Kind offiziell anerkannt wurden. Erst ab einem Gewicht von mindestens 500 Gramm war eine Eintragung ins Personenstandsregister möglich. Betroffene Eltern reichten eine Petition bei Bundestag ein und sprachen mit der Bundeskanzlerin und der Familienministerin. Seit dem Mai 2013 ist eine Gesetzesänderung im Personenstandsgesetz in Kraft getreten. Seitdem dürfen Sternenkinder unabhängig von ihrem Gewicht beim Standesamt erfasst werden und offiziell einen Vornamen tragen. Mit einer Geburtsurkunde haben die Eltern die Möglichkeit, ihrem Kind eine offizielle Existenz und die Würde eines Menschen zu verleihen. Vielen Elternteilen hilft dies sehr, die Trauer zu bewältigen.

Auch können durch die Gesetzesänderung seit 2013 alle Sternenkinder bestattet werden. In vielen Bundesländern war das bereits vor 2013 möglich, allerdings war die Bestattung von Sternenkindern, die unterhalb der Gewichtsgrenze von 500 Gramm lagen, mit einem erheblichen bürokratischen Aufwand verbunden, den die Eltern direkt nach dem traumatischen Ereignis oft kaum bewältigen konnten.

Bestattung von Sternenkindern

Für Sternenkinder, die mit einem Gewicht von über 500 Gramm zur Welt kommen, besteht in Deutschland eine Bestattungspflicht. Die Sternenkinder werden von den Kliniken in Urnen in Gemeinschaftsgräbern beigesetzt. In der Regel entstehen für diese Bestattungen für die Eltern keine Kosten. Es besteht aber auch die Möglichkeit, das Sternenkind in einem eigenen Grab oder im Familiengrab bestatten zu lassen. Vielen Eltern ist das lieber, da sie so einen eigenen Erinnerungsort haben, der wesentlich persönlicher als ein Gemeinschaftsgrab ist.

Viele Steinmetze bieten verwaisten Eltern die Möglichkeit, gemeinsam einen Grabstein für ihr Sternenkind zu gestalten und so ein einzigartiges Erinnerungsstück zu erschaffen. Grabsteine für Sternenkinder sind kleiner als reguläre Grabsteine und werden oft mit kindlichen Motiven in bunten Farben verziert. Auch die Dekoration von Gräbern von Sternenkindern ist häufig sehr farbenfroh. Als Grabschmuck werden beispielsweise Spielzeuge, Kuscheltiere und bunte Laternen verwendet, um eine freundliche Atmosphäre zu schaffen.    

Eine weitere Alternative für die Beerdigung eines Sternenkindes sind sogenannte Bestattungswälder. Diese bieten zum Teil eigene Grabplätze für Sternenkinder an. Der Sternenschnuppenbaum im FriedWald ist eine kostenfreie Ruhestätte für Sternenkinder. Die Eltern zahlen lediglich die Beisetzungskosten in Höhe von derzeit 450 Euro (Stand 07/2023). Auch der Bestattungswald RuheForst bietet im sogenannten RegenbogenBiotop den Eltern die Möglichkeit, ihr Sternenkind dort bestatten zu lassen. Es fällt lediglich das Entgelt für die Beisetzung an.
 

Niemand mag an seine Beerdigung denken, jemand muss sie aber bezahlen. Erfahren Sie mehr über die oftmals hohen Kosten einer Bestattung.

Bestattungskosten

Wie kann ich den Eltern eines Sternenkindes helfen?

Der Tod ist in unserer Gesellschaft noch immer ein Tabuthema. Noch viel mehr der frühe Tod von Kindern. Über Sternenkinder wird selten gesprochen, denn viele haben Angst, insbesondere den verwaisten Eltern gegenüber etwas Falsches zu sagen. Wird der Todesfall jedoch nicht thematisiert, ist dies für die verwaisten Eltern oft sehr schmerzhaft, da es ihnen das Gefühl vermittelt, als sei gar nichts passiert oder als seien Sternenkinder noch nicht genug „wert", weil sie noch keine „richtigen Menschen“ wären.

Die perfekten Worte gibt es in einer solchen Situation nicht. Vermeiden Sie jedoch vermeintlich aufmunternde Sätze, wie „Zeit heilt alle Wunden.“ oder „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt.“ Auch wenn diese Sätze nett gemeint sind, verletzen sie Betroffene oft sehr. Versuchen Sie stattdessen, aufrichtiges Mitgefühl für die verwaisten Eltern und deren schmerzlichen Verlust zu zeigen und für diese da zu sein, ohne die Situation zu bewerten. Wenn Ihnen die Worte fehlen, dürfen Sie das ehrlich sagen. Auch eine Umarmung und ein aufrichtiges „Es tut mir so leid.“ können bereits viel Trost spenden.

Geben Sie den verwaisten Eltern eines Sternenkindes die Zeit zum Trauern, die diese benötigen. Jeder Mensch geht unterschiedlich mit dem Verlust eines geliebten Menschen um, und jeder kann unterschiedlich lange brauchen, um den Schmerz zu verarbeiten.

Professionelle Trauerhilfe bei Sternenkindern

Die Trauer hört niemals auf, sie wird ein Teil unseres Lebens. Sie verändert sich und wir ändern uns mit ihr.

Der Verlust des eigenen Kindes ist für die betroffenen Eltern sehr schmerzlich. Auch wenn es einer Frau nach der Geburt eines Sternenkindes häufig schnell wieder körperlich gut geht, leidet die Psyche in vielen Fällen sehr. Der Beistand durch Familie und Freunde ist daher in dieser Situation sehr wichtig. Doch oft reicht dies nicht aus. Mütter von Sternenkindern haben daher Anspruch auf Hebammenhilfe. Einige Hebammen lassen sich zusätzlich als Trauerbegleiterin ausbilden und können die Frauen in der schweren Situation unterstützen. Die Kosten für die Hebammenhilfe übernimmt die Krankenkasse. Zudem gibt es spezielle Vereine und Selbsthilfegruppen für verwaiste Eltern. Auch die Unterstützung durch einen Psychotherapeuten kann oft hilfreich sein.

Sternenkind-Fotografen: Sternenkind-Fotos als Erinnerung

Jeder, der in seinem Leben bereits einen geliebten Menschen verloren hat, weiß, dass die Erinnerungen mit der Zeit verblassen. Insbesondere, wenn man nur sehr wenige gemeinsame Augenblicke miteinander verbringen durfte. Fotos sind daher für viele Menschen sehr wertvolle Erinnerungsstücke. Für die Familien der verwaisten Eltern sind die Bilder der Sternenkinder häufig die einzige Erinnerung an die kleinen Lebewesen, die sie in den meisten Fällen nie persönlich kennenlernen konnten.

Heutzutage gibt es den Bereich der Sternenkind-Fotografie. Die professionellen Fotografen sind im Umgang mit verwaisten Eltern geübt und schaffen es, die einzigen kurzen Augenblicke der Eltern mit ihrem Sternenkind auf sehr berührende Weise einzufangen und somit eine wertvolle Erinnerung für die gesamte Familie zu schaffen. Für viele verwaiste Eltern sind die Sternenkind-Fotos wichtige Erinnerungsstücke an ihr geliebtes Kind.

Hinweis: Unsere Redaktion hat die Inhalte der Artikel mit größtmöglicher Sorgfalt recherchiert und erstellt. Die Informationen im Ratgeber dienen als Orientierungshilfe und sollen dem Leser eine erste Auskunft über verschiedene Themen geben. Wir bitten um Ihr Verständnis, dass die HanseMerkur dennoch keine Garantie für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der bereitgestellten Informationen übernimmt.
 
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